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TRINKHALLEN SCHICKERIA

Lena Schröder ist die Designerin des Labels Trinkhallen Schickeria. In ihrem Atelier entstehen individuelle Einzelstücke aus gebrauchten Kleidern oder Restware. In einem Interview konnten wir sie nach ihrem Konzept und nach ihren Erfahrungen befragen.

Venloer Straße 459
50825 Köln
www.trinkhallen-schickeria.de

INTERVIEW Marie Priggert, Lisa Schmidl, Sandhia Thelen

Was steckt hinter Trinkhallen Schickeria?
Das Label Trinkhallen Schickeria habe ich schon vor zehn Jahren, noch vor meinem Modedesign-Studium gegründet. Die Idee hat sich gehalten, weil mir diese Arbeit Spaß macht mit ihrer Abwechslung zwischen Nähen, Kund_innenkontakt und Veranstaltungen. Nachhaltigkeit hat von Anfang an eine große Rolle gespielt. In erster Linie will ich aus Bestehendem Neues schaffen.
Wir produzieren in unserer eigenen Werkstatt in Köln. Eine Handvoll Läden verkaufen unsere Kollektion und mindestens zweimal im Jahr stelle ich auf Designermärkten wie dem „Super Markt“ in Köln aus. Seit 2016 verleihe ich auch Teile in der Kleiderei.

Was ist das Besondere an Ihrem Design?
Unsere Streetwear ist individuell, aber nicht zu extravagant. Der Designprozess beginnt damit, dass ich Stoffe sammle, die mich inspirieren: z.B. hochwertige alte Wollstoffe oder filigran gemusterte Vintage-Schätze. In meinem großen Lager treffen dann irgendwann zwei Stoffe aufeinander und die Idee für einen Style entsteht. Fast alle unsere Stücke sind Unikate. Denn von Vintage-Stoffen haben wir meist nur ein bis vier Meter. Aber meine Schnitte verwende ich immer wieder.

Wie wichtig ist Ihnen Nachhaltigkeit?
Das ist die Hauptidee, die mich antreibt! Mir sind sehr wichtig: Regionalität, Ressourcenschonung, Handarbeit, sinnvolle Kooperationen, die Synergien schaffen, sowie Teilen, Leihen und Reparieren. Deshalb verwende ich überwiegend gebrauchte Materialien oder Stoffreste, auch Überproduktionen und Fehlerware aus der Textilindustrie. Zu Beginn habe ich meine Stoffe hauptsächlich auf Flohmärkten gesammelt. Heute pflege ich z.B. eine Kooperation mit Vintage Emde. Einzelteile, die sich dort nicht so gut verkaufen, landen bei mir. Eine Win-win-win-Situation auch für die Umwelt.

Welche Rolle spielen Trends bei Ihrer Slow Fashion?
Kollektionen von Trinkhallen Schickeria sind unabhängig von Trends. Ich habe momentan zwar einige der Blusen etwas gekürzt, weil man gerade Cropped Shirts trägt. Aber es ist nicht mein Anliegen, ein kurzlebiges Design zu machen. Wir machen Lieblingsstücke! Außerdem kann man jedes Teil, das bei uns gekauft wurde, hier lebenslang reparieren lassen. Geflickt, gekürzt, mit neuen Knöpfen angenäht sind sie ausgehfertig für die zweite, dritte, vierte Runde. „Live slow, die old!“ So steht es auch draußen über dem Schaufenster von Trinkhallen Schickeria.



Stand 2016