JEANS IN USED-LOOK

Alternativen ohne Gefahr für Umwelt und Gesundheit

TEXT Victoria Bädorf

Neue Jeans verkaufen sich am besten, wenn sie verwaschen, alt und verschlissen aussehen. Für diesen Look wird großer Aufwand betrieben.

Seit Levi Strauss die Jeans im 19. Jahrhundert für Goldgräber entwickelte, ist sie nicht mehr aus unserem Kleiderschrank wegzudenken. Galt sie noch bis in die 1950er-Jahre hinein als Arbeiterhose, so avancierte sie in den 1970er-Jahren zum hoch modischen Bekleidungsstück. Auch heute gilt für fast alle Lebenslagen: „Jeans geht immer!“ Um cool zu wirken, muss eine Jeans getragen aussehen. Je mehr gelebtes Leben sie zeigt, desto begehrter wird sie. So behauptet die Firma Levi Strauss & Co. von ihren Jeans: „It doesn’t look old – it looks lived-in.“ Aber wie wird der Vintage Look erzeugt? Wie macht man aus einer Raw Denim eine Hose, die authentisch und individuell getragen aussieht?

Die gefährlichen Methoden des Vintage Looks von Jeans
Eine der effektivsten, aber auch gefährlichsten Methoden ist das Sandstrahlen. Dabei werden die Jeans mit quarzhaltigem Sand bestrahlt, der die Farbe an der Oberfläche abreibt. Allerdings dringt bei diesem Verfahren der feine Staub in die Lungen der Arbeiter_innen und führt zu der unheilbaren und tödlichen Staublungenkrankheit (Silikose). Auch wenn das Sandstrahlen von Jeans inzwischen in vielen Ländern verboten ist, so tauchen immer wieder Werkstätten auf, die diese Methode der Jeans-Veredlung heimlich und illegal anwenden. Als Alternative gilt das Bleichen der Jeans durch Aufsprühen mit den stark oxidierenden Chemikalien wie Chlor oder Kaliumpermanganat. Aber dies verursacht häufig schwere Verätzungen bei den Arbeiter_innen. Harmloser erscheinen mechanische Methoden, z.B. das Waschen mit Bimssteinen. Das verschwendet jedoch große Mengen an Wasser, verursacht einen Bimssteinabrieb von bis zu 600 g pro Jeans und belastet die Maschinen stark. Modemarken wie H&M setzen auf Hand Scraping und Machine Scraping. Dabei werden die Jeans mit Schleifpapier abgerieben, entweder mit der Hand oder mit Maschinen. Aber auch hier entsteht ein gefährlicher feiner Faserstaub.

Ökologische Alternativen in der Jeans-Veredlung
Inzwischen haben einige nachhaltige Modefirmen umweltfreundliche und weniger gesundheitsschädliche Methoden der Jeans-Bearbeitung entwickelt. Der Einsatz von Enzymen etwa belastet die Faser weniger als das Sandstrahlen. Das Enzym Zellulase zersetzt die äußere gefärbte Schicht des Stoffes, was einen verwaschenen Effekt erzeugt. Der Stoff bleibt besser erhalten und der Wasserverbrauch ist gering. Auch mit dem Einsatz von Lasern kann man den beliebten Destroyed Look erreichen und sogar Muster einbrennen. Die Firma hessnatur nutzt für ihr „Bio-Denim“ Sauerstoffbleiche und Laser. Auch die Jeans-Firma Good Society setzt moderne Lasertechnologie ein, wie man hier auf dem Foto sehen kann. Beides spart Wasser. Andere Firmen gehen den umgekehrten Weg, wie z.B. die Firma Wunderwerk. Für ihre GOTS-zertifizierten Jeans färbt sie die fertigen Jeans u.a. in der Batik-Methode ein, was einen überzeugenden Used Look schafft und ebenfalls weniger Wasser benötigt.

Aber die beste Methode für die Anfertigung einer Jeans im Vintage Look ist die DIY-Methode. Wenn man eine ungewaschene Jeans lange genug selber trägt, bekommt man automatisch einen ganz individuellen und wirklich authentischen Used Look. Gleichzeitig hat man lange Freude an seiner Lieblingsjeans, ganz im Sinne von Slow Fashion!



Stand 2016

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