ÖKO-FAIRE MODE IN BONN – DIE BEFRAGUNG

Text: Tatjana Krischik

61 Bonner Modegeschäfte führen öko-faire Bekleidung.
Mit diesem Ergebnis wartet FEMNET bei der zweiten Befragung der Bonner Modegeschäfte nach 2013 auf.

Ein Team von 18 Ehrenamtlichen und einer Honorarkraft befragte vom 8.6. bis zum 4.9.2017 im Bonner Stadtgebiet fast flächendeckend alle Modegeschäfte. Ziel war es, nicht nur Geschäfte mit fairem oder ökologischem Sortiment ausfindig zu machen, sondern auch solche, die diese Waren noch nicht führen, für das Thema zu sensibilisieren.
Die Befragung wurde per Fragebogen mit persönlichen Besuchen, Telefonaten oder E-Mails durchgeführt. Der inhabergeführte Einzelhandel wurde größtenteils persönlich besucht, Bekleidungsketten mit Filialen in Bonn wurden über die Zentralen kontaktiert. Meistens wurden die Fragebögen nur von Geschäften ausgefüllt, die auch tatsächlich eine positive Antwort geben konnten.
Die Befragung wurde für Damen-, Herren- und Kinderbekleidung durchgeführt, Wäsche, Socken, Mützen und Schals und wurden ebenfalls berücksichtigt, nicht hingegen Lederwaren, Schuhe und Taschen.

98 Geschäfte des Inhabergeführten Einzelhandels wurden seit 2013 geschlossen!
Zu diesem schockierenden Ergebnis kamen wir bei der Aktualisierung der Liste der Modegeschäfte der letzten Befragung: Statt 220 fanden wir nur noch 123 Einzelhandelsgeschäfte im Modebereich (ohne Second Hand) vor. Die Zahl der in Bonn vertretenen Bekleidungsketten stieg von 44 auf 69 mit nun insgesamt 92 Filialen. So vermerken wir also einerseits eine Verdrängung des inhabergeführten Einzelhandels durch internationale Ketten, andererseits einen Rückgang von Modegeschäften in den Stadtvierteln insgesamt.
In diesem Kontext erkundigten wir uns bei den Geschäften auch nach ihrer Meinung zur Eröffnung von Primark gegenüber dem Bonner Hauptbahnhof; 84% der Einzelhändler_innen verurteilten diese Entwicklung: „Es ist ein Skandal für Bonn als faire Stadt, so einem Unternehmen Raum zu bieten!“ (Alma & Lovis).

42% des Bonner inhabergeführten Einzelhandels verkaufen ökologisch, fair, in der EU 15 oder im eigenen Atelier produzierte Kleidung.
Das ist das positive Ergebnis der Befragung: Trotz des Rückgangs des inhabergeführten Einzelhandels insgesamt können wir 61 Geschäfte (2013: 58) mit einem öko-fairen Angebot präsentieren; darunter 53 inhabergeführte Geschäfte und acht Ketten mit 17 Filialen. In einzelnen Stadtteilen wie Süstadt/Weststadt/Poppelsdorf/Kessenich liegt der Anteil sogar bei 52%. Der Anteil öko-fairer Bekleidung am Gesamtangebot steigt!
47 Bekleidungs-Geschäfte (2013: 36) verkaufen ökologische oder zertifizierte faire Kleidung, sechs Geschäfte führen zumindest in der EU15 hergestellte Waren in ihrem Sortiment, und acht Nähboutiquen fertigen Artikel in der eigenen Schneiderei in Bonn. Als Kriterien für ökologische Produktion wurden am häufigsten das GOTS-Siegel (38-mal) und Biobaumwolle (aus kbA, ohne Siegel) (30-mal) genannt. Für faire Produktion stand in vielen Fällen die Mitgliedschaft bei der Fair Wear Foundation (21-mal) und die Produktion in der EU15 (38-mal).

84% der Geschäfte (Einzelhandel und Ketten) vermerken eine steigende Nachfrage nach öko-fairer Kleidung.
Das Kundeninteresse wächst! Vermehrt betonten die Geschäfte, dass vor allem nach fairer Produktion und nach dem Herstellungsort gefragt wird, während Anbieter_innen von Kinderkleidung eher ein ökologisches Interesse ihrer Kund_innen wahrnehmen.

Geschäfte im Portrait
Die 17 Geschäfte mit dem umfassendsten Angebot an fairen und ökologischen Textilien stellen wir jeweils mit einem Foto und einem Text vor.
Acht Geschäfte konnten ein 100% faires und 100% ökologisches Sortiment vorweisen – die öko-fairen Modelabel Alma & Lovis, Maas Natur und REDNIB mit ihren Geschäften, die Boutique kiss the inuit und vier Kinderbekleidungsgeschäfte: der Babyschlafsack, Engelchen flieg, Kinderzimmer und Trage-Art.
Zwei weitere Markengeschäfte sind durch ihre Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation auf dem Weg zu 100% fair, aber nur anteilig ökologisch: der DW-Shop und Jack Wolfskin. Die Boutiquen Frau Holle, Kann-Heyne, La Creole und Zauberland führen fast ausschließlich Waren, die entweder fair, ökologisch oder in der EU 15 produziert sind.
Des Weiteren finden sich drei Nähboutiquen, die in eigenen Schneidereien produzieren, und teilweise ökologische Stoffe verwenden; Alma, fapilu* und Unikat.

Second-Hand-Geschäfte
Second-Hand-Geschäfte bieten grundsätzlich ebenfalls eine Variante des verantwortungsbewussten Konsums. Wir haben sie nicht befragt, sondern separat eine Liste angehängt. Insgesamt konnten wir zwölf Second-Hand-Geschäfte ausfindig machen.


Nicht alle Geschäfte, die möglicherweise öko-faire Mode führen, haben an unserer Befragung teilgenommen, sei es aus Zeit- oder Imagegründen. Fragen Sie also weiter nach in den Geschäften! Machen Sie ihre eigenen Entdeckungen!