Köln

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WAS HÄLT KÖLN VON
ÖKO-FAIRER MODE?

Was ist eigentlich „öko-faire Kleidung“? Auf Spurensuche in der Kölner Innenstadt befragten Leonie Bender und Johanna Dahmen, Studentinnen von der AMD Akademie Mode & Design Düsseldorf, Passant_innen auf der beliebten Einkaufsmeile Hohe Straße.

Wir wollten wissen, was Kölner Konsument_innen von Ökologie, Nachhaltigkeit und Transparenz in der Mode und ihrer Produktion halten. Auch wenn die Kaufentscheidung nicht immer danach getroffen wird, so zeigen viele Konsument_innen heute schon ein Bewusstsein für die Probleme der Fairness und Ökologie in der Kleiderproduktion.

„ Man kann nicht fröhlich in seinen Pullover steigen, wenn Menschen dafür für einen Hungerlohn arbeiten. “

Rainer (69, Künstler)

Faire Kleidung wird unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt, d.h. auch die Textilarbeiter_innen in den Billiglohnländern erhalten einen existenzsichernden Lohn und soziale Leistungen, die wie bei uns eigentlich selbstverständlich sein sollten.

„Keine Ausbeutung, keine Synthetik, keine Tierquälerei“

Samira (20, Medienstudentin)

Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Mode?
Tierschutz ist uns wichtig. Ein ganzer Mantel aus echtem Tierfell ist für viele Kund_innen ein absolutes moralisches No-Go. Aber ihnen ist nicht bewusst, dass ein süßer flauschiger Pelzkragen aus echtem Fuchs unter ebenso grausamen Bedingungen gewonnen wird. Während in der konventionellen Kleidung noch immer gefährliche chemische Stoffe stecken, wie unlängst die Detox-Kampagne von Greenpeace feststellte, achtet die ökologische Herstellung von Kleidung auf den Erhalt von Umwelt und Gesundheit.

„Alternative Leute kaufen sogar die Mode öko-bewusst“

Tim (20, BWL-Student)

Heute tragen nicht nur sogenannte Alternative ökologische Mode. Es gibt immer mehr nachhaltige Labels, die Mode für jeden Geschmack anbieten und sich dabei an der aktuellen Mode orientieren. Einige Kölner Marken sind hier sehr erfolgreich: ARMENDANGELS bietet lässige junge Mode an. Die Kölner Designerin Claudia Lanius entwirft feminine bürotaugliche Mode. Bei dem Couture-Label AvantgardeGreen findet man öko-faire Kleider für den besonderen Anlass.

„Teure Preise, aber faire Gehälter“

Ellie (22, Studentin)

Aber woran wird der Preis von Kleidung eigentlich gemessen?
Man vergleicht nachhaltig produzierte Kleidung oft mit Fast Fashion und Wegwerfmode. Gleichzeitig geben wir jedoch bereitwillig sehr viel mehr Geld für angesehene Modemarken aus und da können die nachhaltigeren Anbieter locker mithalten.
Unsere Umfrage in Kölner Geschäften ergab, dass die überwiegende Mehrheit des Angebots an öko-fairer Kleidung tatsächlich im mittleren Preissegment liegt. Sie ist also sehr viel preiswerter als die begehrten teuren Marken, aber natürlich teurer als die Billigmarken. Warum nicht mal die wahren Kosten bezahlen? Ökologische Kleidung und fair gehandelte Kleider haben nun mal ihren Preis.

„Habe ich auch noch nie gekauft“

Jakob (23, Student)

Öko-faire Mode in über 140 Kölner Geschäften
Dabei gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, in Köln öko-faire Mode zu kaufen. Tatsächlich hat unsere Umfrage im Kölner Einzelhandel ergeben, dass es sage und schreibe 161 Geschäfte in Köln gibt, die ökologisch nachhaltige und fair produzierte Mode anbieten. Man kann diese Kleidung in vielen Stadtvierteln, in vielen Preislagen und in sehr unterschiedlichen Stilrichtungen finden.

DAS KÖLNER
EINKAUFSVERHALTEN

Text: Susanne Böller, Hannah Grau, Heike Matusche, Frederike Freud, Dennis Klinkhammer

Wir, ein Team aus fünf Kölner Studentinnen wollten in Zusammenarbeit mit FEMNET e.V herausfinden, wie Kölner_innen Mode kaufen und wie groß ihre Nachfrage nach öko-fairer Mode ist. Die Untersuchung fand im Rahmen der Veranstaltung Service Learning des ProfessionalCenters in der Universität zu Köln statt.

An mehreren Nachmittagen haben wir auf der Schildergasse, einer der meistfrequentierten Einkaufsmeilen Deutschlands, eine Paper-Pencil-Befragung durchgeführt. Und das bei jedem Wetter. Mit knapp 100 Konsument_innen konnten wir sprechen, die sich Zeit für unsere etwa fünfminütige Befragung nahmen.

Dabei stellten wir fest, dass die Befragten im Durchschnitt pro Einkauf drei bis fünf neue Teile kaufen. Rechnet man dies mit der Häufigkeit des Modeshoppens zusammen, kommen sie auf ca. 60 (!) neue Bekleidungsstücke pro Jahr. Die allgemeinen Gründe für den Modeeinkauf bilden unsere Grafiken hier ab. Auf unsere Bitte, bis zu drei Gründe zu nennen, warum sie ökologisch und fair produzierte Kleidung kaufen würden, antworteten die meisten: „Gerechte Arbeitsbedingungen“, „Qualität“ und „Nachhaltigkeit“. Die Antworten zeigen, dass den Kundinnen und Kunden der Unterschied zu konventionell hergestellter Kleidung offensichtlich schon bewusst ist.

Gleichzeitig antworteten die Befragten auf die Frage, warum sie trotzdem KEINE ökologisch und fair produzierte Kleidung kaufen, dass sie nicht wissen, wo sie die entsprechenden Läden finden können. Daraus kann man schließen, dass das Interesse für ökologische und fair produzierte Kleidung durchaus vorhanden ist, aber viele nicht wissen, wo sie diese Kleidung kaufen können. So fragten wir die potentiellen Kundinnen und Kunden direkt, ob sie denn auch Interesse an einem öko-fairen Modeeinkaufsratgeber für Köln haben. Das Ergebnis: 75% der Teilnehmerinnen und Teilnehmer würden sich gerne mit Hilfe des Einkaufsführers informieren.

Im Durchschnitt kauft Jeder

60

Kleidungsstücke im Jahr

75%

der Befragten würden einen Einkaufsratgeber zu öko-fairer Mode begrüßen

WARUM KAUFEN
WIR KLEIDUNG

Design der Kleidungsstücke

Qualität und Haltbarkeit der Produkte

Qualität und Haltbarkeit der Produkte

Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis-Leistungs-Verhältnis

konkrete Bedarf

konkrete Bedarf

Modemarke

Modemarke

Als weniger relevant gelten den Befragten ein günstiger Preis, ausgewiesene Siegel, das Herstellungsland und die Empfehlungen von Freund_innen. Die angeblich untergeordnete Bedeutung des günstigen Preises überrascht, wenn man bedenkt, wie viele Kund_innen schwer bepackt mit Taschen von Billig- und Fast-Fashion-Modeketten auf der Einkaufsmeile herumlaufen.

We did it!

Dr. Gisela Burckhard (Vorstandsvorsitzenden von FEMENT e.V.):

„Shoppen ist heute zum Selbstzweck geworden. Doch durch den Zusammenbruch der Textilfabrik Rana Plaza am 24. April 2013, bei dem über 1000 Menschen starben und mehr als 2000 zum Teil schwer verletzt wurden, rückte schlagartig in unser Bewusstsein: Der niedrige Preis unserer Kleidung ruht auf unmenschlichen Arbeitsbedingungen, dramatischer Umweltverschmutzung und gewissenloser Geschäftemacherei der Bekleidungsindustrie.“

Prof. Dr. Elisabeth Hackspiel-Mikosch (AMD Akademie Mode & Design) und Dipl. Des.-Ing. Annika Cornelissen (FEMENT e.V.):

„Als Leiterinnen des Kooperationsprojekts BUY GOOD STUFF Fair Fashion Shopping Guide Köln wollen wir Lust machen auf eine Entdeckungsreise zur öko-fairen Mode in Köln und laden gleichzeitig zu einer differenzierten Diskussion über nachhaltige Mode ein.“

Das Umfrageteam der Universität zu Köln und TH Köln:

(v.l.n.r.) Susanne Böller, Hannah Grau, Heike Matusche, Frederike Freud, Dennis Klinkhammer (Universität zu Köln) und Zelal Tunc (TH Köln)

FOTO Annika Cornelissen

Studierende der AMD Akademie Mode & Design, die an der Umfrage und der Herstellung von BUY GOOD STUFF für Köln beteiligt waren:

Victoria Bädorf, Leonie Bender, Vanessa Berns, Valeria Bröhl, Johanna Dahmen, Charlotte Diels, Lynn Fischer, Celine Fitsch, Charlotte Jasper, Kathrin Krings, Marc-Constantin Müller, Selina Ohneseit, Ilka Plum, Miriam Rhazi, Jennifer Schachteli, Nathalia Serbenko, Luca Sistig, Sophia Thomas, Isabel vom Bruch, Clara Wörsdörfer

FOTO Thorsten Lönnecker