„YOU CAN CHANGE THE WAY IT IS“

„You can change the way it is“

 

TEXT: Lara Grobosch

Studio Elsien Gringhuis – Das niederländische Luxuslabel zeigt, dass Mode nachhaltig und high fashion sein kann. Designerin Elsien Gringhuis setzt mit ihrer öko-fairen Kollektion auf das Zero-Waste-Prinzip. Wir haben mit ihr über Umweltschutz, den kritischen Blick und die Zukunft der Mode gesprochen.

 

Wie kam es zur Gründung Ihres öko-fairen Labels?

Schon während meines Modedesign-Studiums an der ArtEZ, University of the Arts, in Arnheim, wurde mir bewusst, wie schrecklich die Textilindustrie war. Also fasste ich einen Entschluss: Wenn ich in der Mode arbeiten möchte, dann nur auf faire und ethische Weise – ansonsten mache ich lieber etwas ganz anderes! Als ich 2008 mit dem Studium fertig war, gab es kaum nachhaltige Labels, die meiner Ästhetik entsprachen. So entstand mein eigenes Label Studio Elsien Gringhuis.

Sie arbeiten nicht nach Saisons. Warum haben Sie sich dafür entschieden, Mode nach Ihrem eigenen Rhythmus zu produzieren?

Angefangen haben wir ziemlich traditionell damit, meine Kollektionen jede Saison während der Amsterdamer Fashion Week zu zeigen. Aber schon nach zwei Shows hatte ich einen Burnout. Das Tempo war zu schnell und der Druck zu groß. Sobald die Kollektionen gezeigt wurden, waren sie schon passé. Es braucht so viel Zeit, Energie und Engagement, um ein einziges Kleidungsstück zu entwerfen und zu fertigen. Heute entwerfe ich nur noch neue Designs, wenn ich möchte und solange die Stoffe verfügbar sind. Wir produzieren nur auf Bestellung. Auf diese Weise schützen wir die Umwelt vor Überproduktion.

Sie orientieren sich am Zero Waste Prinzip …

Auf jeden Fall. Jede Naht und jeder Knopf kostet so viel Zeit und Mühe und damit Geld und Energie. Ich begann, meine Entwürfe auf höchstens ein oder maximal zwei Schnittmuster zu reduzieren, um so effizient wie möglich ein ansprechendes Design zu gestalten. Heute arbeite ich mit einer Reihe von Zero-Waste-Schnitten: Schnitte, die die gesamte Stoffbreite ausnutzen und zu einem Kleidungsstück gefaltet werden.

Beschreiben Sie das Design Ihrer Kollektionen.

Die Designs sind immer clean und minimalistisch mit innovativen Details. Wir streben nach zeitloser Eleganz. Unser Stil passt sich leicht verschiedenen Frauentypen an. Ich habe KundInnen im Alter von 20 bis 90 Jahren! Das ist ziemlich außergewöhnlich. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Mode aus? Wenn ich die Modebranche heute mit der von vor zehn Jahren vergleiche, hat sich schon vieles zum Positiven gewandelt. Den Menschen wird mehr und mehr bewusst, dass sich etwas ändern muss. Auf der anderen Seite fürchte ich aber, dass die Veränderungen zu langsam kommen. Besonders die großen Marken müssen sich drastischer und viel schneller für Nachhaltigkeit einsetzen, als sie es jetzt tun. Es gibt leider auch viel Greenwashing. Wir alle sollten sehr kritisch damit sein, was wir kaufen.

Wie können wir als KonsumentInnen denn kritisch kaufen?

Höre niemals auf, Fragen zu stellen! Frage dich immer: Brauche ich das wirklich? Mag ich es immer noch in ein paar Jahren? Wir sollten alle weniger kaufen, qualitative Ware wählen und sie lange behalten. Mit unseren Geldbörsen stimmen wir ab: Erkenne, dass du so viel mehr bist als einE KonsumentIn und so viel mehr Einfluss hast, als du denkst. #youcanchangethewayitis

Stand 2019

Fotos: Tse Kao

 

Designerin Elsien Gringhuis zeigt, dass nachhaltige Mode auch trendig sein kann. 

Foto: Tse Kao

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