Einziger Ausweg? Selbstmord!

Einziger Ausweg? Selbstmord!

TEXT: Felicitas Speis 

Tausende Bauern müssen jährlich sterben, durch Schulden in den Ruin getrieben. Was eine der vielen Auswirkungen der Globalisierung mit dem Unternehmen Monsanto Biotech zu tun hat.

200 000 Tote in zehn Jahren in Indien. Alles Kleinbauern. Der Grund? Selbstmord. Jährlich stürzen sich tausende Baumwollbauern in den Tod. Wie kann es dazu kommen? Die Kleinbauern im sogenannten Selbstmordgürtel in Indien sehen keinen anderen Ausweg. Ihre Schulden sind zu hoch, um sie jemals abbauen zu können. Schuldeneintreiber bedrohen sie. Doch sie haben nicht genug Geld, um sich und ihre eigene Familie ernähren zu können. Eins verbindet all diese traurigen Schicksale. Bei allen handelt es sich um Baumwollbauern, die auf das genveränderte Saatgut von Monsanto Biotech, heute Bayer, gesetzt haben.

Einer von ihnen ist Gajanand Gattawar. Den Baumwollbauern trieben seine hohen Schulden in den Selbstmord. Er hinterlässt seine Frau Stasi Kala mit drei Kindern. Und Schulden, einem Haufen Schulden. Stasi Kala hat kein Geld, kein Ein- kommen und jetzt auch keinen Mann mehr. Auch Mejor Singh, ein weiterer Kleinbauer aus Indien, führt in Chottian mit seiner Frau und seinen Enkelkindern einen Hof. Einst hatte er einen Sohn. Am 5. November 2013 nahm sich dieser das Leben. Der Vater fand seinen leblosen Körper. Er hatte sich mit Pestiziden vergiftet. Ein weiterer Fall: In Bangalore isst Ramesh Rathod zu Abend. Dass er den ganzen Tag nichts gegessen hat, ist nicht der Grund, wieso er sich übergeben muss. Absichtlich hat sich Ramesh Pestizide unter seinen Reis gemischt. Einen Tag zuvor hatte ihn ein Bankangestellter besucht. Alle acht Stunden nimmt sich in einer indischen Agrar Provinz ein Bauer das Leben. Die Menschen sind verzweifelt. Sehen keinen Ausweg. Doch was hat das alles mit Saatgut zu tun?

Schuld sind die Schulden

Die Zentralregierung in Neu-Delhi hilft nicht. Von den multinationalen Konzernen bekommt der Staat Geld. Importzölle und Subventionen werden für Großkonzerne heruntergefahren. Die Kleinbauern konkurrieren völlig aussichtslos mit den wohlhabenden Landwirten aus den USA und Europa. Dort werden die Produkte jedoch durch Zölle geschützt und hoch subventioniert. Die Kleinbauern sind chancenlos, müssen sich verschulden. Um gegen diese Schulden anzukommen, nehmen die Bauern neue Kredite auf und verschulden sich noch mehr.

Ein kläglicher Versuch, der Konkurrenz aus den USA und Europa mit niedrigeren Preisen zu begegnen, sind Pestizide. Immer höhere Mengen werden gegen Schädlinge eingesetzt. Die Ernte soll größer ausfallen, um gegen die Konkurrenz ankommen zu können. Die Schädlinge jedoch werden durch den falschen Gebrauch der chemischen Hilfsmittel resistent, die Böden dauerhaft geschädigt und ausgelaugt. Die Erträge sinken weiter. Letzte scheinbare Lösung: BT Cotton.

BT Cotton steht für „Bacillus thuringiensis Cotton“. Hierbei handelt es sich um genverändertes Baumwoll-Saatgut. Hergestellt wird dieses von Monsanto Biotech, mittlerweile Bayer, und ist dreimal so teuer wie konventionelles Saatgut. Die Kleinbauern sehen letzte Chancen und lassen sich hoffnungslos ausbeuten. Heute weiß man, dass das Saatgut ein Flop ist. Alle Ankündigungen Monsantos waren irreführend. Die aggressive Markteinführung schaffte es trotzdem tausende Bauern in den Ruin zu treiben. Und was sagt Monsanto Biotech? Der Konzern verweist auf „schwierige klimatische Bedingungen“ und weist alle Schuld von sich.

Stand 2018

Fotos: Karan Vaid/ Greenpeace

Kleinbauern in Indien protestieren gegen Monsanto Biotech

Fotos: Karan Vaid/ Greenpeace

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